Objektname

Hahay’iwùuti (Katsina-Mutter [Chief-Katsina (Mong)])

Künstler

Unbekannt

Entstehungsort

Unbekannt

Datierung

Unbekannt

Provenienz

Sammlung Antonio und Christin Ferretti

NONAM Inv. Nr.

2018-FE-00086

Material

Cottonwood (Wurzelholz der Pappel), Farbe, Federn

Maße
12,7 x 8 x 3cm

Zeremonien

Powamuya, Shalako, Paalölöqang, Patsavu, Soyoko

Beschreibung

Die rundplastische Figur aus Cottonwood und Federn entspricht dem Typus der vereinfachenden Katsina-Puppen, die Säuglingen und Kleinkindern geschenkt werden. Die Form ohne abstehende Gliedmaßen erlaubt es, dass auch kleinste Kinder ohne Verletzungsgefahr mit der Figur spielen können, dennoch sind die wesentlichen Elemente und Gestaltungsmerkmale wiedergegeben. Große Anteile der Flächen im Gesicht und im Bereich des Körpers, die im klassischen Kostüm der Katsina-Mutter weiß gefärbt wären, sind bei dieser tihu hellbeige gefasst. Der Kopf der Figur nimmt in seiner Höhe ca. ein Drittel ein. Die Frisur sitzt wie eine schwarze Kappe oben auf dem Kopf und ist mit einem kleinen weißen Federbüschel geschmückt. Ein mit roten Fransen besetztes Stirnband reicht bis zu den roten Scheibenohren, die aus dem Kopf herausstehen. Das Gesicht ist auf die wesentlichen Merkmale reduziert: Drei schwarze Punkte und eine abwärts gebogene Linie stehen für Augen, Nase und Mund. Auf den Wangen ist jeweils ein roter Kreis gemalt und die Kinnpartie ist gelb. Der Kopf ist direkt an dem zylinderförmigen Körper befestigt. Das weibliche Gewand hat der Künstler stark vereinfacht dargestellt: Die Schultern sind mit diagonalen Farbfeldern gemalt (rechts türkis, links gelb) und die Brust wird von zwei roten Punkten verziert. Die Unterarme und Hände sind nicht plastisch ausgearbeitet, sondern aufgemalt. Hier sind dieselben Farben verwendet worden wie am Schulterbereich, aber gegensätzlich. Die untere Leibeshälfte ist proportional stark verkürzt und wird lediglich mit drei vertikalen Streifen dekoriert, deren obere Enden abgerundet sind.

Wissenschaftliche Einordnung

Hahay’iwùuti, eine der Mütter der Katsinam (s. 2018-FE-00084), ist bei den Hopi sehr beliebt, weil sie bei nahezu allen Zeremonien erscheint (s.2018-FE-00145), viel spricht und in der Regel freundlich ist, obwohl sie die leibliche Mutter der Monster ist, welche die Kinder als Erziehungsmaßnahme zu Soyoko erschrecken.

Ihre zentrale Rolle wird auch als tihu deutlich. In der flachen Form einer sogenannten Wiegenbrettkatsina (putsquatihu) sind sie das erste Geschenk an neugeborene Kinder. Die hier abgebildete tihu kommt der ersten Form nahe, ist aber schon für etwas ältere Mädchen gedacht und unterscheidet sich nur durch den dreidimensionalen Kopf (putsquatihu twaywa’yta). Wegen ihres fröhlichen Aussehens scheint sie dafür besonders geeignet und es verwundert nicht, dass sie oft auch als Happy Mother Katsina (Glückliche-Mutter-Katsina) bezeichnet wird.

Die ganz flache Version wird nicht nur Babys, sondern auch jungen Adlern geschenkt, die im Frühjahr aus den Nestern heraus gesammelt und über den Sommer großgezogen werden. Am Tag nach Niman werden sie getötet und ihre Federn ausgerupft und sortiert, um sie – ebenso wie einige der Knochen – für zeremonielle Zwecke nutzen zu können.

Verwendete Literatur

Colton 1959, Walsh 2019, Haberland 1980, Wright 1977, Voth 1912

Name der/s Bearbeiter*in

Birgit Klein

Stand der Bearbeitung

26.08.2020

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