Objektname

Qöqlö (Secon Mesa Katsina [Chief-Katsina (Mong)])

Künstler

Michael Tallas, Hopi

Entstehungsort

Third Mesa, Kykotsmovi

Datierung

2007

Provenienz

Sammlung Antonio und Christin Ferretti

NONAM Inv. Nr.

2018-FE-00114

Material

Cottonwood (Wurzelholz der Pappel), Farben

Maße

20 x 8,5 x 5,8cm

Zeremonien

Soyaluna (Wintersonnenwende), Powamuya (Bohnentanz)

Beschreibung

Mit einem Fuß nach vorne auf einem hölzernen Sockel versetzt, der einem Wüstenboden mit Rissen nachempfunden ist, suggerieren die Körperhaltung der Figur und die angewinkelten Armen eine Schritt-Bewegung. Auf dem kastenförmigen gelben Kopf liegt als Kopfschmuck ein flacher Erpel, dessen Schnabel nach vorne gerichtet ist und dessen Füße nicht zu sehen sind. Dafür erkennt der Betrachter zwei (vielleicht auch 4) Abdrücke von Vogelfüßen auf Hinterkopf und Wangen. An der Stelle der Ohren befinden sich braune gespreizte Flügel, die nach hinten ausgerichtet sind. Schwarze Linien definieren das Gesicht. Die Augen und der Mund – jeweils als einfache Punkte dargestellt – werden von Bögen eingerahmt. Zwei dieser Bögen beginnen wie Augenbrauen oberhalb der Augen und führen in der Mitte des Gesichts zusammen, während der dritte Bogen sich mittig und unterhalb der oberen Bögen befindet und dabei den Mund einkreist. Von den oberen Bögen führen kurze senkrechte Striche nach oben und erzeugen ein Muster, das zwar an Haare erinnert, jedoch eine abstrakte Maispflanze darstellen soll.

Die Verbindung zwischen Kopf und Oberkörper bildet eine Halskrause aus Tannenzweigen. Die tihu trägt ein kurzärmeliges braunes Gewand, das bis unterhalb der Knie reicht. Der Saum ist abwechselnd von Einkerbungen und kleinen Löchern geziert. Die Arme und Hände sind weiß bemalt; ein breites, türkisfarbenes Band zieren die Oberarme. Am Hals trägt sie eine weiß-türkisfarbene Kette mit roten Strichen und einem Medaillon in Türkis. Zwei Armbänder mit geometrischer Bemalung schmücken die Handgelenke. In der rechten Hand hält sie eine türkisfarbene Rassel und in der linken Hand trägt sie einen kleinen Sack. Die Beine, eigentlich weiß, sind mit einem schwarzen Fischgrätenmuster bemalt und enden in zwei klobigen türkisfarbenen Schuhen mit rotem Muster.

Wissenschaftliche Einordnung

Die vorliegende Tihu ist auf Grund der suggerierten Bewegung als „Action doll“ zu bezeichnen. Häufig tritt Qöqlö mit schwarzem Kopf und weißen oder blauen Konturlinien auf, er kann aber auch in verschiedenen Farben erscheinen. Unklar ist dabei, ob sich die Farbe an der Himmelsrichtung der Herkunft des Katsina orientiert oder ob sie als Erkennungsmerkmal der jeweiligen Mesa fungieren (2018-FE-00113 und 2018-FE-00144). Zu den eindeutigen Merkmalen des Qöqlö gehören das Aussehen des Gesichts mit Abdrücken von Vogelfüßen auf den Wangen. Fewkes zeigte, dass er auch einen Vogel auf dem Kopf tragen kann. Auf der First Mesa hat Qöqlö ein weißes Gesicht und erscheint nur mit einem Jagdhemd bekleidet. Ein gelber Kopf und Kleidung aus Leder sind Merkmale der Qöqölom (Pl.), die in Paaren vier Nächte vor dem Bohnentanz (Powamuya) auf der Second Mesa erscheinen und Geschenke – darunter tithu – verteilen. Auf der Third Mesa treten Qöqöqlom mit schwarzem Kopf auch bei der Zeremonie zur Wintersonnenwende (Soyaluna) auf – der ersten Zeremonie, welche die Saison der Katsina einführt. Als Gruppe nehmen sie dort nicht nur die Rolle von Tänzern ein, sondern eröffnen mit ihren Begleiterinnen, den Mana, die Kivas, durch welche die Katsinam aus der Unterwelt zu den Hopi kommen können.

Nach Wright gehört Qöqlö zu der Kategorie der Sosoyohimkatsinam (Gemischte Katsinam), die einer ständigen Veränderung unterworfen sein können und je nach Mesa und Zeit unterschiedliche Funktionen erfüllen. Sie gehören damit keiner bestimmten Kategorie von Katsinam an. Zugleich werden sie aber häufig als Chief-Katsinam oder Mong bezeichnet, die besonders hohes Ansehen, aber keine hierarchisch hohe Stellung besitzen.

Verwendete Literatur

Haberland 1980, Colton 1959, Fewkes 1903, Pearlstone 2011, Schmidt 1985, Secakuku 1995, Wright 1977

Name der/s Bearbeiter*in

Merle Meta Kubasch

Stand der Bearbeitung

12.08.20

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